• Marlies Mittler

Eine gefährliche Frage:

Aktualisiert: 18. Okt.

Was würdest du lernen, wenn du für zwei Jahre kostenlos das komplette Angebot einer großen Weiterbildungs-Akademie nutzen könntest?


Das ist die Ausgangsfrage des Films „Work in Progress“. Mit s.mile hatte die Haufe-Akademie ein Projekt gestartet, das Menschen für zwei Jahre kostenlos ihr komplettes Weiterbildungsangebot zur Verfügung stellt. Der Film begleitet diese Menschen auf ihrer Lernreise. Zusätzlich werden Eindrücke, Reflexionen und Erkenntnisse von Projektinitiator*innen und Wissenschaftler*innen eingespielt. In einem MEET&INSPIRE zeigen wir den Film am 10.11.2022, um danach gemeinsam Eindrücke und Anregungen auszutauschen (hier gibt's die Infos auf einen Blick).

Ich werde in den Wochen vorher schon mal teilen, welche Aspekte mich besonders bewegen:

1. Die Frage selbst

Was würdest du lernen, wenn du für zwei Jahre kostenlos auf Weiterbildungen aller Art zugreifen könntest – wenn also Geld keine Rolle spielen würde?

Ehrlich gesagt: Ich weiß es nicht.

Bisher habe ich meine Weiterbildungen danach ausgesucht, dass sie den Invest lohnen. Ich bin als Trainerin gestartet und habe, weil ich gern auch coachen und beraten wollte, regelmäßig Weiterbildungen in diesen drei Bereichen besucht. Ich bin gern auf dem Laufenden, also entwickle ich meine Skills (und damit mich) kontinuierlich weiter – aber auf der Trainer-Coach-Consultant-Spur.

Es hat eine Weile gedauert, bis ich mich doch an eine Weiterbildung aus nicht-beruflichem Anlass erinnert habe: Ich habe in einer persönlichen Krise einen Achtsamkeits-Kurs besucht. In meine Ratlosigkeit hinein hat die Begleiterin gefragt: "Mal jenseits von Beruf, wer willst du noch werden? Wohin willst du dich als Mensch entwickeln, wenn der Job läuft und die Kinder groß sind?" Paradoxerweise habe ich diesen Impuls, der mich erst sehr beschäftigt hatte, "vergessen" - und Achtsamkeit als weitere berufliche Qualifikation weitergeführt.

Unser (berufliches) Lernen ist verzweckt

In dem wunderbaren Podcast GOOD WORK beschreibt der Mitinitiator des Projekts und Geschäftsführer der Haufe-Akademie Mario Kestler, wie diese Frage unsere kompletten Lerngewohnheiten durcheinanderbringt: Normalerweise lernen wir in der Arbeitswelt genau das, was wir brauchen, um unsere derzeitige Arbeit gut zu machen oder eine neue Aufgabe anzunehmen (häufig verbunden mit dem Stichwort „Karriere“). Berufliches Lernen ist also verzweckt. Und die Frage „Was würdest du lernen…“ löst diesen Zusammenhang auf. Der Filmemacher Kristian Gründling bringt das auf die Formel „Weniger glänzen, mehr leuchten“, also weniger Außenorientierung und mehr den eigenen Wünschen und Begabungen nachgehen. Kein Wunder, dass das bei einigen der Projektbeteiligten erst einmal große Suchbewegungen und Unsicherheit ausgelöst hat.

Sicherlich ist diese Frage leichter zu beantworten für Menschen, die in ihrem Beruf nicht zufrieden oder unglücklich sind. Wobei es das eine ist, zu wissen, was man nicht will – und das viel Schwierigere, herauszuarbeiten, was genau es denn sein soll. Diese Diskrepanz ist mir sowohl aus eigener Erfahrung als auch durch viele Coachings nur allzu bekannt.

Potenziale entfalten - oder: Wer bin ich noch nicht?

Mich jedenfalls beschäftigt die Frage, und sie fordert mich heraus. Ich bin erst sechzig und mit meinem Beruf verwirkliche ich nur eine meiner möglichen Spuren – das immerhin mit großer Freude und Neugier. Ich stelle - erschrocken - fest, dass sich meine ambitionierten Lernprojekte bisher fast alle um die Arbeit drehen. Ich bin überrascht, dass schon die Frage eine gute Veränderung in Gang setzt (wie halt nur Fragen das können). Und ich bin selbst gespannt, wie dieser Lernweg weitergeht.


Wie sieht’s bei dir aus? Was würdest DU lernen, wenn… - du weißt schon? Was löst die Frage bei dir aus? Begeisterung, Ratlosigkeit, Angst, Ärger, Sehnsucht, …? Ich freu mich auf Reaktionen und Beiträge, direkt hier – oder natürlich bei unserem Event (hier kannst du dich direkt anmelden).





Wann: 10.11.2022, 18.00 (17.30 Uhr Einlass) - 21.30 Uhr

Wo: Kino ARSENAL, Hintere Grabenstraße 20, 72070 Tübingen

Kosten: 25,00 € (inkl. Snacks und Getränke





34 Ansichten0 Kommentare

Aktuelle Beiträge

Alle ansehen