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Wenn Freund:innen gründen

Vier Personen, die mit Arbeitsmaterial und gefüllten Gläsern an einem Tisch arbeiten
Vier Personen, die mit Arbeitsmaterial und gefüllten Gläsern an einem Tisch arbeiten

Kann man Business und Freundschaft verbinden?


Gemeinsam gründen ist naheliegend

Startups werden häufig von Freund:innen gegründet; man hat gemeinsam studiert und vielleicht schon an einer Idee rumgeknobelt und die Gründung ist einfach der nächste logische Schritt. Oder jemand mit einer brillanten Tech-Idee möchte gründen, da aber die Business-Expertise fehlt, steigt ein Freund oder eine Freundin mit ein. Gerade in der ersten Zeit, wenn alle Beteiligten nichts lieber tun als an der Idee und ihrer Umsetzung arbeiten, fühlt es sich super an, leicht, man versteht sich auf Zuruf, Vertrauen ist da. Und es wirkt wie die schönste aller Welten, wenn sich Business und Freundschaft verbinden.


Die Gefahr: Kontext-Konfusion

Menschen, die systemisch denken, sagen "context matters": Der Freundschafts-Kontext ist zweckfrei und zeitlos; der Gründungs-Kontext ist zweckgerichtet, und Zeit ist häufig entscheidend (z.B. wenn die Gefahr besteht, dass andere Gründer:innen auf die gleiche Geschäftsidee kommen).

In unseren verschiedenen Kontexten prägen wir unterschiedliches Rollen-Verhalten aus; ich zeige also als Freundin andere Seiten von mir als als Geschäftspartnerin. Die Freundin würde vielleicht zu einer Pause raten; die Gründerin möchte, dass der Mitgründer jetzt möglichst schnell liefert. Wo sich beides vermischt, wird schnell eine notwendige Auseinandersetzung vermieden oder der Unternehmenskonflikt in die Freundschaft getragen. Wenn Kontexte und Rollen verschwimmen, sind Unternehmen und Freundschaft in Gefahr.


Wie es trotzdem klappen kann

Die Simpel-Variante wäre also der häufig gehörte Rat, als Freund:innen keine gemeinsamen Geschäfte zu machen. Ein Ratschlag nach dem Motto "Bitte umfahren Sie das Gebiet weiträumig". Denn grundsätzlich können wir als Menschen gut mit unterschiedlichen Rollen umgehen.


Wer also Freundschaft und Business verbinden will, tut gut daran, ein paar "Sicherheitsschleifen" einzubauen:

  • Früh Supervision oder Teamcoaching nutzen, um grundlegend (Rollen-)Erwartungen und Spielregeln zu klären. Das ist auch der Rahmen, in dem man besprechen kann, wie man das Unternehmen vor der Freundschaft schützt und umgekehrt die Freundschaft vor dem Unternehmen.

  • Regelmäßige Reflexions-Zeiten einplanen, um aus den gemachten Erfahrungen Rollen und Regeln anzupassen und weiterzuentwickeln

  • Externe Klärung im Gesellschaftervertrag so verankern, dass sie von einer Person eingefordert werden kann. Dann muss man sich im Zweifelsfall nicht erst darauf einigen, ob jetzt externe Hilfe gebraucht wird.

  • Rollen bewusst benennen: "Als CFO ist es mir wichtig…". Klingt vielleicht künstlich, ist aber zu Beginn hilfreich - auch zur eigenen Klärung.


Das Wichtigste zuletzt

Vor jeder gemeinschaftlichen Klärung allerdings stehen einige Fragen, die jede:r so ehrlich wie möglich für sich selbst beantworten muss:

  • "Wie steht es eigentlich um meine persönliche Konflikt-Kompetenz?

  • Wie gut bin ich in der Lage, auch den Menschen, die mir am Herzen liegen, klar zu sagen, wie es mir mit bestimmten Situationen geht, was ich brauche und was ich erwarte?

  • Wie gehe ich mit Enttäuschungen um, und wie viel Kontrollbedürfnis habe ich?

  • Wie gut kann ich meine Emotionen regulieren, wenn meine Bedürfnisse herausgefordert werden?


Und, Hand auf's Herz:

Wie schätze ich diesbezüglich mein:e zukünftige Geschäftspartner:in ein?

 

Denn, klar: Wenn's nicht klappt, waren es auf jeden Fall "die anderen", oder?

 
 
 

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